
Binali Demir
Thomas Seelhoff
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Immer wieder kam es in jüngster Zeit zu Unfällen oder sogenannten Störfällen in Atomkraftwerken. In Deutschland, Slowenien oder Frankreich. Manche Politiker und die Atomwirtschaft denken, sie hätten alles unter Kontrolle und wiegeln ab. Kernkraftgegner warnen vor einer Verharmlosung der Gefahr.
Ist die Atomkraft Segen oder Fluch, Untergang oder Fortschritt? Die Lager sind gespalten. In der Atomanlage von Tricastin in Südfrankreich wollen Inspektoren der Atomaufsicht ASN die immer noch offenen Fragen klären. Zum Beispiel wann der Unfall überhaupt passiert ist. Ganz sicher nicht erst Dienstag früh, am 08. Juli, aber möglicherweise noch nicht am Montagabend. Auch die Angaben über die Menge, angeblich sollen 30.000 Liter radioaktive Uranlösung in die umliegenden Flüsse ausgelaufen sein, schwanken.
Die Anwohner wurden nach 14 Stunden informiert. Eine Gefahr für die Bevölkerung bestünde nicht, war die kurze Erklärung. Nur Angeln, Baden, Fischessen und Bewässern sind strikt verboten. Laut ersten Messergebnissen ist die Uran-Konzentration tausendfach erhöht. Es ist alles kein Problem.
Vor einem Monat ein Störfall in einem AKW in Slowenien. Ein Leck in einer Sammelleitung. Zunächst sprach man von einer Routinewartungsarbeit. Nachdem aus Brüssel, von der „Internationalen Atomorganisation“, vorübergehnd europaweiter Alarm ausgelöst wurde, wird der Reaktor kurzfristig heruntergefahren.
Im Juni 2007 brennt ein Transformator im Kernkraftwerk Krümmel. Am gleichen Tag meldet das Atomkraftwerk Brunsbüttel einen Kurzschluss. Der Betreiber beider Kraftwerke meldete, dass kein Grund zur Sorge bestehe. Krümmel und Brunsbüttel sind bis heute nicht am Netz.
Wieso verzögert sich der Einstieg aus dem Ausstieg? Heute heißt es auch bei ehemaligen Gegner, statt Atomkraft nein danke, eher „Ja bitte, ein wenig länger vielleicht.“ Atomkraftwerke sind nicht sicherer geworden und das Atommüllproblem ist ungelöst.
Seit Jahren wird in dem früheren Salzbergwerk Asse die Entsorgung von radioaktivem Müll geprobt. In mehr als 100.000 Fässern lagert hier tonnenweise Atommüll. Mittlerweile dringt fatalerweise Wasser in die Grube. Der ganze Salzstock gilt als verseucht. Die Betreiber sind ratlos und die Anwohner sind empört und haben Angst. Das Endlager sollte eine Millionen Jahre halten, zeigt nach vierzig Jahren schon Risse und Lecke. Mit welchen Folgen, dies weiß niemand so ganz genau. Nur bestimmt keine guten.
Wie sicher Atomkraft ist, weiß man in Tschernobyl. Todsicher.
Thomas Seelhoff