Antrag: Braune Brause
Die Alternative Liste.SDS – DIE LINKE Liste beantragt, dass das Studierendenparlament beschließen möge, dass Kampagnen im Sinne eines Boykottaufrufs gegen Coca-Cola als „antisemitisch“ eingestuft werden und dies mit einer Erklärung auf der Homepage des Studierendenverbands Duisburg/Essen auch als solches deutlich kenntlich machen.
Zu den Gründen:
Es gibt keine richtige Brause im Falschen.
Das einseitige boykottieren einer Marke stellt nicht das ganze kapitalistische System in Frage, sondern greift sich symbolisch einen Vertreter als Sündenbock heraus, der für das Ganze bestraft werden soll. Dieses Sündenbock-Prinzip ist aus der deutschen Geschichte bekannt und fand im Dritten Reich seinen Höhepunkt mit der Ermordung von Millionen Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen, Kommunisten und anderen Kritikern, die von dem Regime und dem deutschen Volk als Volksfeinde eingestuft hatten. Mit dieser Einstufung als „Volksschädlinge“ wurde der Eindruck erzeugt, dass Juden etc. für die „Volksgemeinschaft“ das Problem darstellten, dass es zu vernichten galt. Mit einem Boykott gegen einen Vertreter der kapitalistischen Produktion von Softgetränken wird der gleichen Logik gefolgt, indem ein „Sündenbock“ für die Misere Kapitalismus hergehalten muss. Dabei werden die Produktionsbedingungen in der kapitalistischen Logik als Ganzes ausgeklammert.
Es gibt keine richtige Methode im Falschen
Dass sich der Coca-Cola-Konzern in Kolumbien wie eine offene Hose aufführt und Gewerkschafter durch Paramilitärs ermorden lässt, ist unbestritten. Unbestritten ist allerdings auch, dass weltweit Produktionsbedingungen herrschen, die Menschen in Hunger und Not stürzt. „Die Weltlandwirtschaft könnte problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren. Das heißt, ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet.“ Und weiter „"Heute stirbt [...] alle fünf Sekunden ein Kind unter zehn Jahren an Hunger oder an mit Unterernährung verknüpften Krankheiten. Im Jahr 2005 hat der Hunger mehr Menschen getötet, als alle in diesem Jahr geführten Kriege zusammen." Wer also meint, dass mit einem einseitigen Boykott einer Firma die kapitalistische Logik angegriffen wird, der macht sich einer verkürzten Kapitalismuskritik schuldig, die nicht mehr das Ganze bekämpfen will, sondern sich exemplarisch einen Teil herausgreift und zum Schuldigen stempelt. Genau diese Methode nennen wir „antisemitisch“.
Ps. Um korrekt zu sein, handelt es sich um einen "strukturellen Antisemitismus".